Warum wir Halloween nicht brauchen
Halloween - ein Brauch den in Bayern/ Deutschland keiner braucht.
Halloween: Warum Kürbis, Kommerz und Kunstblut einfach nicht zu uns gehören
Ende Oktober ist es wieder soweit: Ausgehöhlte Kürbisfratzen grinsen von den Türschwellen, Plastikspinnenweben verfangen sich im Buchsbaum des Nachbarn und Gruppen verkleideter Kinder ziehen von Haus zu Haus, um mit der sanften Drohung „Süßes, sonst gibt’s Saures“ Süßigkeiten zu erpressen. Halloween ist im deutschen Alltag angekommen – zumindest, wenn man den Auslagen der Supermärkte und Dekorationsgeschäfte glaubt. Doch mal ehrlich: Brauchen wir diesen Import aus den USA im Alpenvorland oder irgendwo sonst zwischen Flensburg und Garmisch wirklich?
Nein. Halloween wirkt bei uns nach wie vor wie ein fremder Fremdkörper, der mit Gewalt in den Festtagskalender gepresst wurde.
Das fängt schon bei der Sprache an. „Süßes oder Saures“ ist die holprige Übersetzung von „Trick or Treat“. Was in den USA eine charmante Nachbarschaftstradition mit historischer Verwurzelung ist, verkommt hierzulande oft zur schnellen Schnitzeljagd nach Industriezucker. Der feine Unterschied: In den Staaten hat Halloween eine gewachsene Kulturgeschichte. Bei uns hat es vor allem eine Marketingabteilung.
Dabei fehlt es uns in Deutschland – und ganz besonders in Bayern – keineswegs an eigenen Brauchtümern, die sich mit der dunklen Jahreszeit, den Verstorbenen oder dem Verjagen von Geistern beschäftigen. Wir haben nur vergessen, sie richtig zu feiern, weil das bunte Plastik-Spektakel aus Übersee so viel einfacher zu konsumieren ist.
Wer Grusel, Kostüme und traditionelles Brauchtum sucht, wird im heimischen Kalender spielend fündig:
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Die Rauhnächte und Perchtenläufe: Wenn im Dezember und Januar die Krampusse und Perchten mit handgeschnitzten Holzmasken und schweren Glocken durch die Dörfer ziehen, hat das eine echte, archaische Wucht. Das ist kein billiges Kunstblut aus der Tube, sondern tief verwurzeltes Brauchtum, das einem tatsächlich einen Schauer über den Rücken jagt.
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Allerheiligen und Allerseelen: Der 1. November war traditionell ein Tag der Stille, des Innehaltens und des Gedenkens an die Verstorbenen. Die Gräber werden liebevoll geschmückt, Lichter angezündet. Es ist ein wertvoller Gegenpol zu unserer sonst so laut gewordenen Welt. Dass ausgerechnet die Nacht davor mit Krawall, Vandalismus und Plastikmüll gefüllt wird, wirkt gelinde gesagt deplatziert.
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Martinstag und Martinssingen: Nur wenige Tage später ziehen Kinder mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen, singen Lieder und teilen Gebäck. Das hat Wärme, Gemeinschaftssinn und Poesie – ganz ohne die Androhung von „Saurem“, falls das Haustürfenster geschlossen bleibt.
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St. Martin und Nikolaus: Selbst das Verkleiden und das Einfordern von Gaben hat bei uns eigene Traditionen – man denke an das Einkehrbrauchtum rund um den Nikolaus oder regionale Bettelbräuche wie das „Klopferstag“-Gehen im Advent.
Halloween ist kein organisches Brauchtum, das aus unserer Mitte erwachsen ist, sondern ein reines Konsumprodukt. Es füllt die kommerzielle Lücke zwischen dem Ende der Sommerferien und dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts. Doch Brauchtum lässt sich nicht einfach verordnen oder importieren, ohne dass es hohl klingt.
Es braucht niemandem der Spaß an Kostümpartys verleidet werden. Wer Lust hat, sich als Zombie zu verkleiden und Kürbissuppe zu kochen, darf das gerne tun. Aber verkaufen wir dieses bunte Spektakel bitte nicht als neues deutsches Brauchtum. Wenn die Nächte länger werden und der Nebel über den Feldern liegt, haben wir eigene Geschichten zu erzählen – ganz ohne Plastikspinnen und importierten Grusel auf Knopfdruck.
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